Stephen Hawking

Kindheit und frühe Jahre

Stephen Hawking wurde am 8. Januar 1942 in Oxford geboren, genau dreihundert Jahre nach dem Tod von Galileo Galilei. Seine Eltern, Frank Hawking und Isobel Hawking, gehörten zu einer intellektuellen Familie. Der Vater arbeitete in der medizinischen Forschung, die Mutter hatte in Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaft studiert. Die Familie lebte zunächst in Highgate in London und zog später nach St Albans nördlich von London.

Schon als Kind galt Hawking als ungewöhnlich neugierig. Er war kein klassischer Musterschüler, aber er besaß eine enorme Vorstellungskraft und ein starkes Interesse an Mathematik, Technik und Naturwissenschaften. Gemeinsam mit Freunden baute er einfache Computer, experimentierte mit Modellzügen und tüftelte an mathematischen Problemen. Seine Mitschüler nannten ihn scherzhaft „Einstein“, obwohl seine Noten zunächst keineswegs außergewöhnlich waren.

Da sein Vater wollte, dass er Medizin studiert, kam es früh zu Spannungen zwischen den Interessen des Sohnes und den Vorstellungen der Familie. Hawking liebte Mathematik, doch an seiner Wunschuniversität gab es damals kein eigenständiges Mathematikstudium. Deshalb begann er 1959 im Alter von nur 17 Jahren ein Studium der Physik am University of Oxford. Dort konzentrierte er sich besonders auf Kosmologie, also die Frage, wie das Universum entstanden ist und wie es sich entwickelt.

Studium und die Diagnose ALS

In Oxford fiel Hawking zunächst durch seine lockere Haltung auf. Er arbeitete oft erstaunlich wenig und verließ sich stark auf sein Gedächtnis und seine Fähigkeit, komplizierte Zusammenhänge schnell zu verstehen. Trotzdem schloss er sein Studium mit Bestnoten ab und wechselte anschließend an die University of Cambridge, um dort Kosmologie zu studieren.

Kurz nach Beginn seines Studiums in Cambridge bemerkte Hawking erste gesundheitliche Probleme. Er stolperte häufiger, verlor an Kraft und hatte Schwierigkeiten mit Bewegungen. Mit 21 Jahren erhielt er die Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, eine schwere Erkrankung des Nervensystems, die die Muskeln nach und nach lähmt. Die Ärzte gaben ihm damals nur noch wenige Jahre zu leben.

Für Hawking war diese Nachricht zunächst ein Schock. Er fiel in eine tiefe Krise und verlor zeitweise die Motivation weiterzuarbeiten. Erst seine Beziehung zu Jane Wilde, die er Anfang der 1960er Jahre kennenlernte und später heiratete, gab ihm neuen Lebensmut. Er entschied sich, trotz der Krankheit weiterzuforschen und seine wissenschaftlichen Ziele nicht aufzugeben. Rückblickend sagte Hawking später oft, dass die Diagnose ihn paradoxerweise dazu gebracht habe, konzentrierter und entschlossener zu leben.

Die ersten wissenschaftlichen Durchbrüche

In den 1960er Jahren begann Hawking, sich intensiv mit den großen Fragen der Kosmologie zu beschäftigen. Gemeinsam mit Roger Penrose entwickelte er die sogenannten Singularitätstheorien. Diese Theorien beschäftigten sich mit extremen Punkten im Universum, an denen Raum und Zeit zusammenbrechen, etwa im Zentrum eines schwarzen Lochs oder beim Ursprung des Universums.

Bis dahin war unklar, ob die Gleichungen von Albert Einstein tatsächlich bedeuteten, dass das Universum mit einem Urknall begann. Hawking und Penrose zeigten mathematisch, dass Singularitäten eine unvermeidliche Folge der Allgemeinen Relativitätstheorie sind. Daraus ergab sich, dass das Universum wahrscheinlich tatsächlich einen Anfang hatte und nicht schon immer existierte. Diese Arbeit machte Hawking früh zu einem der wichtigsten jungen Physiker seiner Zeit.

Schwarze Löcher und Hawking Strahlung

Der größte wissenschaftliche Durchbruch seines Lebens gelang Hawking in den 1970er Jahren. Damals galten schwarze Löcher als Objekte, aus denen nichts entkommen kann, nicht einmal Licht. Hawking kombinierte jedoch Ideen aus der Quantenmechanik mit Einsteins Gravitationstheorie und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Schwarze Löcher senden Strahlung aus und verlieren dadurch langsam Energie.

Diese Strahlung wurde später als Hawking Strahlung bekannt. Sie bedeutete, dass schwarze Löcher nicht ewig existieren, sondern irgendwann verdampfen können. Diese Idee revolutionierte die moderne Physik, weil sie zeigte, dass Gravitation, Quantenmechanik und Thermodynamik eng miteinander verbunden sind. Sie führte außerdem zum sogenannten Informationsparadoxon. Dieses beschreibt das Problem, dass Informationen über Materie, die in ein schwarzes Loch fällt, scheinbar verloren gehen, was eigentlich den Gesetzen der Quantenmechanik widerspricht. Jahrzehntelang beschäftigte dieses Problem die theoretische Physik.

Diese Formel beschreibt die Temperatur eines schwarzen Lochs. Sie zeigt, dass kleinere schwarze Löcher heißer sind als große und dadurch schneller Strahlung abgeben.

Karriere in Cambridge und weltweiter Ruhm

1979 wurde Hawking auf den berühmten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Cambridge berufen. Dies war dieselbe Professur, die einst auch Isaac Newton innehatte. Hawking blieb bis 2009 auf diesem Posten und prägte in dieser Zeit die moderne Kosmologie entscheidend.

Während seine körperlichen Fähigkeiten immer weiter abnahmen, wuchs sein wissenschaftlicher Einfluss. 1985 verlor er nach einer Lungenentzündung vollständig seine Stimme. Seitdem kommunizierte er mit Hilfe eines Sprachcomputers, der über einen Sprachsynthesizer Texte vorlas. Obwohl ihm später modernere Stimmen angeboten wurden, behielt er die alte künstliche Stimme mit amerikanischem Akzent bei, weil sie zu einem Teil seiner Identität geworden war.

1988 erschien sein berühmtestes Buch, A Brief History of Time. Das Werk erklärte komplizierte Themen wie den Urknall, schwarze Löcher, Raum, Zeit und die Zukunft des Universums in einer Sprache, die auch Nichtwissenschaftler verstehen konnten. Das Buch wurde zu einem internationalen Bestseller, blieb rekordverdächtige 237 Wochen auf der Bestsellerliste der Sunday Times und verkaufte sich millionenfach in zahlreichen Sprachen. Für viele Menschen war es der erste Kontakt mit moderner Physik.

A Brief History of Time behandelte Fragen wie den Ursprung des Universums, die Natur der Zeit, den möglichen Anfang der Welt und die Suche nach einer „Theorie von allem“, also einer einzigen Formel, die alle Naturgesetze vereint. Hawking wollte nicht nur Fachleute erreichen, sondern möglichst viele Menschen dazu bringen, über das Universum nachzudenken. Viele Leser empfanden das Buch als anspruchsvoll, aber gerade seine Mischung aus Wissenschaft, Philosophie und Staunen machte es so einflussreich.

Privatleben, Familie und schwierige Jahre

Stephen Hawking heiratete 1965 Jane Wilde. Gemeinsam bekamen sie drei Kinder: Robert Hawking, Lucy Hawkingund Timothy Hawking. Die Ehe war über viele Jahre von Belastungen geprägt. Jane kümmerte sich nicht nur um die Familie, sondern auch um Stephens Gesundheit, seine Pflege und seine Karriere. Mit zunehmender Schwere seiner Krankheit wurde diese Situation immer schwieriger.

1995 ließen sich Stephen und Jane scheiden. Im selben Jahr heiratete Hawking seine Pflegerin Elaine Mason. Auch diese Ehe war kompliziert und von Konflikten überschattet. 2006 wurde sie geschieden. Später näherte sich Hawking seiner Familie wieder stärker an.

Trotz aller Schwierigkeiten war Hawking bekannt für seinen Humor. Er machte oft Witze über seine Krankheit, über Wissenschaft und über sich selbst. Seine Kinder beschrieben ihn als liebevollen, manchmal chaotischen Vater mit großer Fantasie und einem ausgeprägten Sinn für Ironie.

Hawking als öffentliche Figur

Mit den Jahren wurde Hawking weit mehr als nur ein Physiker. Er entwickelte sich zu einer weltweiten Symbolfigur für Wissenschaft, Beharrlichkeit und menschliche Willenskraft. Sein Bild im Rollstuhl, verbunden mit seiner künstlichen Stimme und seinen komplizierten Ideen über das Universum, machte ihn zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten des 20. und 21. Jahrhunderts.

Er trat in zahlreichen Fernsehsendungen auf, oft mit viel Selbstironie. Er war in Serien wie The Simpsons, Star Trek: The Next Generation, The Big Bang Theory und Futurama zu sehen. Dadurch wurde er auch Menschen bekannt, die sich sonst kaum für Physik interessierten.

2014 erschien der Film The Theory of Everything, der auf dem Leben Hawkings und auf den Erinnerungen seiner ersten Frau Jane basiert. Darin wurde Hawking von Eddie Redmayne gespielt, der für diese Rolle einen Oscar gewann.

Seine Ansichten über das Universum und das Leben

Hawking beschäftigte sich zeitlebens mit der Frage, warum das Universum existiert und ob es eine letzte Theorie geben könnte, die alles erklärt. Er glaubte, dass Wissenschaft die besten Werkzeuge liefert, um die Realität zu verstehen. Zwar benutzte er manchmal Formulierungen wie „den Geist Gottes erkennen“, doch meinte er damit meist keine religiöse Vorstellung, sondern die Hoffnung, die grundlegenden Gesetze der Natur vollständig zu verstehen.

Er warnte außerdem oft vor Gefahren für die Menschheit. Er sprach über künstliche Intelligenz, Klimawandel, Atomwaffen und Überbevölkerung. Hawking glaubte, dass die Menschheit langfristig andere Planeten besiedeln müsse, um ihr Überleben zu sichern. Er interessierte sich stark für Raumfahrt und unterstützte Projekte, die eines Tages Reisen zu anderen Sternensystemen ermöglichen könnten.

Trotz seiner schweren Krankheit war Hawking erstaunlich lebensbejahend. Er sagte mehrfach, dass er keine Angst vor dem Tod habe, aber noch viele Dinge tun wolle. Für ihn war das Leben kostbar, gerade weil es begrenzt ist.

[Jim Campbell/Aero-News Network] / Physicist Stephen Hawking in Zero Gravity NASA.jpg / CC BY 3.0 / Wikimedia Commons

Die letzten Jahre und sein Tod

In seinen letzten Lebensjahren blieb Hawking wissenschaftlich aktiv. Er arbeitete weiter an Fragen der schwarzen Löcher, des Informationsparadoxons und der Entstehung des Universums. Selbst kurz vor seinem Tod veröffentlichte er noch wissenschaftliche Arbeiten.

Stephen Hawking starb am 14. März 2018 in seinem Haus in Cambridge im Alter von 76 Jahren. Bemerkenswerterweise fiel sein Todestag auf den Geburtstag von Albert Einstein. Ärzte hatten ihm einst nur wenige Jahre gegeben, doch er lebte mehr als fünf Jahrzehnte länger als erwartet. Sein Tod löste weltweit Trauer aus. Wissenschaftler, Politiker und Millionen Menschen würdigten ihn als einen der größten Denker der modernen Zeit.

Vermächtnis

Stephen Hawking hinterließ weit mehr als nur wissenschaftliche Theorien. Er veränderte die Art, wie Menschen über schwarze Löcher, den Urknall und das Universum denken. Seine Arbeiten zur Singularität, zur Quantenkosmologie und zur Hawking Strahlung gehören zu den wichtigsten Leistungen der modernen Physik.

Gleichzeitig zeigte sein Leben, dass selbst extreme körperliche Einschränkungen geistige Größe nicht verhindern müssen. Für viele Menschen wurde Hawking zum Symbol dafür, dass Neugier, Mut und Beharrlichkeit stärker sein können als Krankheit und Verzweiflung. Seine Bücher, Vorträge und Ideen inspirieren bis heute Wissenschaftler, Studenten und Leser auf der ganzen Welt.

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